Mittwoch, 18. April 2012
Die Gockeltheorie und das Rätsel der Pfeile
Gestern Abend war ich auf einem Poetry-Slam. Zum ersten Mal habe ich mir angehört, was andere Menschen sich zusammengeschrieben und -gedichtet haben, woran sie ihre Mitmenschen teilhaben lassen möchten.

Einige haben mir richtig gut gefallen, einige habe ich für ihr Können und ihre Begabung bewundert, einige fand ich echt schlecht. Andere hatten eine sehr charmante Vortragsweise, die damit den überwiegend langweiligen, primitiven, sinnfreien Inhalt zwar nicht wettmachen, dafür aber erträglich machen konnten.

Bei manchen habe ich lediglich den Mut bewundert, sich vor das Publikum zu stellen und dummen Mist gespickt mit Schimpfwörtern und Plattheiten unter der Gürtellinie zu konfrontieren. Komischerweise sind die beim Großteil der Zuhörer richtig gut angekommen. Sobald es um „Titten“ und „Porno im Nachmittagsprogramm“ ging, war der Jubel groß.

Bemerkenswert finde ich, dass der Frauenanteil 1:10 betrug. Woran liegt das? Der Vortrag der jungen Frau war zwar nicht mein Geschmack, jedoch qualitativ wesentlich besser als das, was der Großteil der Männer zustande gebracht hat. In der Endrunde hat sie dann leider gegen den „Porno am Nachmittag“-Mann verloren. Immerhin hatte der den bereits erwähnten Charme-Bonus.

Ich habe mir das im Nachhinein anhand von Beispielen aus der Tierwelt erklärt. Das scheint mir am logischsten. Der Gockel auf dem Hühnerhof schreit schließlich auch am lautesten, obwohl die wirklich produktive Arbeit – lecker frische Eier oder putzige, gelbe Küken – von seinen Damen erledigt wird.

Bevor ich nun den Anschein erwecke, dass meine Gesinnung eine männerfeindliche Tendenz aufweist (Nein!), wechsel ich zum Abschluss noch das Thema: Seit über zwanzig Jahren habe ich den Führerschein. Bis heute habe ich nicht kapiert, was mir die Pfeile auf den Park- / Halteverbotsschildern sagen wollen. Was heißt das, wenn der Pfeil nach rechts zeigt? Darf ich dann vor oder hinter dem Schild nicht parken?

Meistens orientiere ich mich an den anderen Autos. So auch gestern. Leider mit dem Ergebnis, dass mir durch einen Zettel, den ein/e gewiss sehr freundliche/r und/oder kompetente/r Mitarbeiter/in des Ordnungsamtes am Scheibenwischer befestigt hat, mitgeteilt wurde, dass ich – Sehr geehrte/r Verkehrsteilnehmer/in – eine Ordnungswidrigkeit begangen habe.

Welche genau, wird mir dann in einem gesonderten Schreiben von der Bußgeldstelle noch mitgeteilt. Dummerweise werde ich, wenn das Schreiben dann endlich bei mir angekommen ist, nicht mehr wissen, in welche Richtung der/die Pfeil/e an diesem Abend gezeigt hat.

Wenn meine Neugier zu groß ist und ich die Vorfreude auf des Rätsels Lösung gar nicht mehr aushalten kann, darf ich auch zu den angegebenen Öffnungszeiten anrufen. Eine Auskunft ist jedoch erst „aufgrund der Datenübermittlung erst einen Arbeitstag nach Erteilung der Verwarnung“ möglich.

Ich glaube, ich werde im Internet nach einer schönen Übersicht aller möglichen Pfeilkombinationen nebst der entsprechenden Erklärung suchen und einen Ausdruck davon in mein Auto legen, damit mein Verständnisproblem endlich der Vergangenheit angehört.

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Samstag, 14. April 2012
Die erträgliche Leichtigkeit des Seinlassens
Im Ignorieren mancher Tatsachen bin ich richtig gut. Das besonders im Bezug auf meinen Haushalt. Hier der aktuelle Stand der zu erledigenden Arbeiten:
trockene Wäsche auf dem Speicher abhängen, falten, einräumen
trockene Wäsche auf dem Ständer im Wohnzimmer abhängen, falten, einräumen
trockene Wäsche auf dem Sessel im Wohnzimmer abhängen, falten, einräumen
Spülmaschine ausräumen
staubsaugen und putzen, insbesondere das Bad und die Toilette
Fenster putzen
Davon habe ich heute bisher erledigt: nichts

Statt dessen war ich mit Bing in der Hundeschule, einkaufen, im Internet auf der Suche nach Arbeit oder einer rettenden Geschäftsidee und habe ansonsten den Tag mit gemütlich im Bett liegen und Müsli essen, schlafen, Kaffee trinken, duschen und lesen verbracht. Es ist nicht schwierig zu erraten, dass ich kinderfrei habe.

Es dauert noch ca. 45 Minuten bis Herzensmann zu mir kommt. In dieser Zeit könnte ich wenigstens die Wäsche aus dem Wohnzimmer wegräumen und in einem der Kinderzimmer zwischenlagern. Vielleicht mache ich das auch noch. Bestimmt bin ich aber doch zu bequem.

Eine meiner früheren Chefinnen hat mich manchmal mit genervten Blick auf meine Schreibtisch als Messi bezeichnet. In der Regel war genau ein DIN A4 großes Feld vor der Tastatur frei. Oft lag da noch etwas zu Essen. Auch das war für einen Großteil meiner damaligen Kolleginnen zeitweise kaum erträglich. Meine ehemalige Lieblingskollegin musste sich einmal zu meinem Bedauern übergeben als ich morgens zum Frühstück ein Pumpernickelbrot mit Mangochutney und sehr reifem Limburger gegessen habe. Dieser Geruch und Anblick waren einfach zu viel des Guten.

Früher habe ich mich manchmal für das Chaos in meinem Umfeld geschämt. Irgendwann habe ich mir angewöhnt, Besuch, der zum ersten Mal zu mir kommt, darauf aufmerksam zu machen, dass es immer so bei mir aussieht und ich künftig nichts weiter dazu sagen werde. Seitdem bin ich um einiges entspannter und die Besucherquote ist nicht niedriger geworden.

Eine Freundin hat den Zustand meiner Wohnung, bzw. meine schlampige Haushaltsführung sehr schön zu würdigen gewusst. Wir hatten uns – nachdem wir uns einige Jahre nicht gesehen hatten - spontan verabredet und ich habe sie vorab auf mein Durcheinander vorbereitet. Sie kam, schaute sich um und sagte: Das ist das schöne bei dir. Wenn du sagst, es ist nicht aufgeräumt, dann ist es auch wirklich nicht aufgeräumt.

Über so ein schönes Kompliment habe ich mich aufrichtig gefreut. Schließlich behaupten viele Leute, dass deren Wohnung nicht aufgeräumt ist und dann liegt nur eine Zeitung auf dem Wohnzimmertisch. Wenn ich nur eine Zeitung auf dem Wohnzimmertisch liegen habe, dann bin ich stolz!!! Dann ist nämlich super aufgeräumt.

Ich glaube, meine Besucher können dadurch auch entspannter sein, wenn ich mal einen Gegenbesuch mache. Schließlich wissen alle, dass meine Wohnung garantiert schlimmer als deren Wohnung aussieht und müssen sich vor meiner Ankunft keinen Stress mit wilden Putzaktionen machen.

Trotzdem habe ich jetzt gerade einen kleinen, hausfraulichen Energieschub. Ich werde die Wäsche schnell noch in eines der Kinderzimmer umlagern. Für Herzensmann.

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Mittwoch, 11. April 2012
kurz und schmerzlos
Gefühlsachterbahn kann – wenn es sich nicht um Verliebtheit in der aufregenden Anbahnungsphase handelt – lästig sein.

Den ganzen Tag war ich unterwegs zwischen der bedrückenden Ungewissheit, wie es beruflich weitergeht und dem Gefühl unermesslichen Reichtums, wenn ich meine tollen Jungs beobachtet hab, von Madame Lilli belagert wurde oder mit dem Bärtigen unterwegs war.

Ungeachtet dessen finde ich diese Gefühlskapriolen auch beruhigend. Ich durchlebe an einem Tag einen riesigen Bereich des menschlichen Gefühlsspektrums. Das ist mir lieber als von Depressionen geplagt auf dem Sofa zu versteinern.

Jetzt werde ich noch mit Hundi unsere Abschlussrunde für heute drehen. Ich muss ihn ablenken von dem Metallschrank, der hinter mir steht. Nach drei Wochen in Camp Hilde hat er ihn eben wahrgenommen und als potentielle Bedrohung identifiziert, die ausgiebig und laut angebellt werden muss. Dummerweise haben wir fast 22 Uhr und im Gegensatz zu meinen polternden und brüllenden Nachbarn liegt mir etwas an den üblichen Ruhezeiten.

Gute Nacht, meine Lesemenschen. Ich verabschiede mich für heute.

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