Wallende Hormone in Camp Hilde
Mindestens genauso wie finanzamtlichen Geld-Konfetti-Regen liebe ich meine Stützstrumpfhosen von der Kaufhof-Hausmarke.
Diese denkwürdige Feststellung habe ich heute während eines Telefonats mit meiner Schwester geäußert. Wir haben uns darüber amüsiert und weiterhin festgestellt, dass solche Aussagen früher für uns unvorstellbar gewesen wären.
Früher, als ich ein ekelhaft rebellisches Teenie-Ding war, waren Frauen über 40 einfach nur alt. Keine Frauen mehr und perfekt für Stützstrümpfe geeignet, aber das hat doch nicht mich betroffen! Ich über 40? In Stützstrümpfen? Unvorstellbar. Und das ohne Selbstmordabsichten zu hegen. Die zeitliche Vorstellungskraft meines frisch formatierten Gehirns hat einfach nicht weiter gereicht als bis zum nächsten Tag – allerhöchstens bis zum nächsten Disco-Abend.
Als ekelhaft rebellisches Teenie-Ding bin ich im Winter ohne Strumpfhose, Schal, Unterhemd, Mütze, Handschuhe, dafür in kurzer, offener Jacke und kaputten Chucks im Schnee herumgelaufen und habe nicht gefroren. Das ging viele Jahre so. Lediglich die Optik des winterlichen Outfits hat sich weiterentwickelt.
Jetzt bin ich über 40 und habe selbst ein manchmal grummeliges Teenie-Ding. Dieses Teenie-Ding toppt meine Winter-Kluft von damals noch damit, dass es bei Minus 15° C jeden Morgen mit nassen Haaren und selbstverständlich ohne Kopfbedeckung zur Schule schlurft. Im dünnen Sommerjäckchen, weil der Parka nicht gefällt.
Ich gleiche das Ganze aus, indem ich vergraben unter diversen Stoffschichten kombiniert mit Strumpfhosen, am liebsten Stütz, ziemlich unelegant hinterherwackel und trotzdem noch friere. Im Aldi gab's vor Wochen Angorawäsche, mit der ich ernsthaft geliebäugelt habe.
Meiner lieben, erfahrenen, ebenfalls alleinerziehenden Freundin M mit etwas älterem Sohn habe ich mein Leid betreffend Teenie-Ding geklagt und wurde mit den Worten: „Das hat meiner in dem Alter auch gemacht. Davon sterben die nicht.“ beruhigt.
O.K. Ich verlass mich auf dein Urteil, liebe M.
Mittlerweile hatte ich die Mittelohrentzündung und Teenie-Ding schlurft immer noch von sämtlichen Bakterien und Viren unbehelligt mit nassem Kopf in der Kälte herum.
Kann das was mit Hormonen zu tun haben? Hormone haben die erfrischende Eigenschaft für fast alle befremdlichen Anwandlungen im menschlichen Dasein verantwortlich zu sein. In diesem Fall vielleicht etwas in dieser Art: Hormone in Wallung bei Teenie-Dingern – Klamotten und Föhn aus. Hormone in Wallung bei über 40jährigen Frauen – Stützstrümpfe und Angorawäsche an.
Was machen analog die Männer? Lange Feinrippunterhose ergänzt durch hübsche Kniestrümpfe sowie zartgelbem Schlöbber im Schiffchen-mit-Kompass-Muster anziehen? Wahrscheinlich sowas in der Art.
Mein Herzensmann ist noch zu jung. Ich werde berichten, wenn es soweit ist.
Ein weiteres unerschöpfliches Thema sind Teenie-Dinger und das Frau-Sein über 40. Auch hierzu später mehr.
veilchenpastille am 14. Februar 12
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Der Immer-mal-wieder-und-dann-doch-nicht-Mann
Der Immermalwiederunddanndochnicht-Mann hat sich nach 1 1/2 Jahren bei mir gemeldet. Sehr eigenartig das.
Wir kennen uns seit fast dreizehn Jahren. Am Anfang war ich immer total genervt von dem Typen, der mich umschwirrt hat und gleichzeitig auf Abstand war. Den Abstand hat er erst gesucht, nachdem er erfahren hatte, dass ich verheiratet bin und ein kleines Kind hab. Vorher ist er meiner "britischen Ausstrahlung" erlegen. Er dachte, ich wäre eine Austauschstudentin.
Und trotzdem hat er es nicht ertragen, mit mir ein einem Raum zu sein, ohne von mir beachtet zu werden. Und ich war irgendwann nicht mehr genervt, sondern hab mich auf seine komische Art eingelassen und festgestellt, dass unsere Gehirne in einem wunderbaren Gleichklang funktionieren. Wenn wir so richtig in Fahrt gekommen sind, dann hats Funken gesprüht und es gab Feuerwerk. Wir haben so viel Blödsinn geredet, dass es für Umstehende nicht zu ertragen war und wir haben so wild geschäkert, dass Leute, die unseren Umgang miteinander nicht kannten, dachten, wir reißen uns gleich hier und auf der Stelle die Klamotten vom Leib und fallen übereinander her. Dazu hat es nie vieler Worte gebraucht. Man musste nicht hören, was wir sagen.
Wir waren beide immer in irgendwelchen Beziehungen und haben trotzdem nie einen neutralen Umgang miteinander gepflegt. Einmal waren wir beide frei und haben uns etwas mehr getraut. Mit dem Ergebniss, dass ich uns ausprobieren wollte. Er wollte nicht. Ist wieder im Off verschwunden.
Jahrelang läuft das nun so, dass wir voneinander gar nichts hören. Dann meldet er sich und innerhalb kürzester Zeit landen wir wieder in unserem ganz speziellen Immermalwiederunddanndochnicht.
Nur diesmal ist alles anders. Für mich. Für mich ist es zwar immer noch immermalwieder, aber dieses Mal nicht danndochnicht, sondern wieschöndassesdichgibtabernunhabeichmeinherzverschenkt.
An DEN Mann. An den Mann, der entzückt von mir ist, wenn ich einfach nur bin, wie ich bin. Der jeden Tag mein Herz berührt. Der über sich hinauswächst, wenn ich ihn brauche. Der mit mir albernes Zeug redet. Der dieselben Feinheiten sieht und versteht wie ich. Der mit mir Dinge bespricht, die besprochen werden müssen und uns danach einander noch näher bringen. Der als Planer mich Improvisator ergänzt. Der mit mir eine Zukunft haben will und in dieselbe Richtung blickt wie ich. Der alle anderen Männer in jeder Beziehung übertrifft.
Ich vermute, viele Frauen haben einen Immermalwiederunddanndochnicht-Mann. Umgekehrt gibt es das bestimmt auch. Ich genieße die Freundschaft zum Immermalwieder-Mann, weil es mir unter anderem verdeutlicht, worin der Unterschied zum Herzensmann besteht: Im Mut zur Praxis.
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Im Sein ohne Wie geht's weiter
Heute bin ich die Frau ohne Plan. Noch nie ist mir das passiert. Ich habe ein Vakuum im Kopf und weiß nicht, wohin es geht. Job gekündigt - und nun?
Seit Jahren hatte ich immer mindestens ein Ziel - und natürlich einen Plan, wie ich dahin komme. Dann ging es ab wie eine Dampflock. Die Schienen entlang mit möglichst wenig Zwischenstationen.
Und nochmal: und nun?
Kein Job, kein Plan.
UND ES MACHT MICH NICHT NERVÖS!!!
Cool, was?
Einfach mal da sein, treiben lassen und die vielen Möglichkeiten anschauen, vielleicht wieder ziehen lassen und ein bißchen durchatmen. Neu ist das und fühlt sich ungewohnt an. Den Mann macht's nervös, die Frau ohne Plan. Mich macht es nur - ja wie denn? Muss ich noch nicht wissen.
Neueste Meldungen folgen ...
veilchenpastille am 11. Februar 12
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