Mittwoch, 15. Februar 2012
Fluppdinger im Spülkasten
Wir befinden uns gerade in einer Alles geht kaputt Phase. Irgendeine höhere Macht schubst Menschen, die einen eigenen Haushalt gründen, mit dieser Gründung ein einziges Mal in solch eine Situation hinein und das reicht. Und zwar aus dem einfachen Grund, dass man dann ein einziges Mal alle teuren Haushaltsgeräte gleichzeitig anschaffen muss.

Diese teuren Haushaltsgeräte haben eine ungefähr gleiche Lebensdauer und schwupp – schon ist man in diesem Teufelskreis drin. Falls es jemand geschafft hat, wieder rauszukommen – ich bitte um Nachricht.

Meist fängt diese Phase ganz unauffällig an: Eierkocher geht kaputt. O.K., Eierkocher ist nicht unbedingt notwendig, kann man auch drauf verzichten. Zwei bis drei Monate später: Kaffeemaschine geht kaputt. Mistekiste – man könnte drauf verzichten, ist aber morgens mit verquollenen Augen nicht in der Lage einen Wasserkocher anzuschalten und dann das kochende Wasser zielgenau in der perfekten Menge in den Filter zu schütten. Und erst die Unfallgefahr, die besteht, wenn man im Halbschlaf mit kochendem Wasser hantiert! Klarer Fall, neue Kaffeemaschine muss sein.

Spätestens an diesem Punkt sollten sämtliche Alarmglocken schrillen, das Tagesgeldkonto auf Liquidität geprüft und die Garantiekarten der derzeit vorhandenen Haushaltsgeräte gesucht werden. Vielleicht hat man seinerzeit beim Kauf in einem hellen Moment eine Garantiezeitverlängerung vereinbart? Nein, hat man nicht, man hat das Gerät im Zustand geistiger Umnachtung kombiniert mit Überforderung durch Alles geht kaputt Phase gekauft.

Wenn man nun ein wachsames Auge auf Spülmaschine, Waschmaschine, Herd, Kühlschrank hat, dann wird man auch bald belohnt. In unserem Fall hat die Spülmaschine den Lauf fortgeführt. Da aber ein Umzug ansteht und ich noch nicht weiß, ob in der neuen Bleibe nicht vielleicht eine voll eingerichtete Küche drin ist, wird keine neue gekauft. Leider ziehen sich unsere Umzugspläne unerwartet lange hin. Die Optik der Küche wird dadurch nicht besser, aber meine Schmerzgrenze betreffend Durcheinander ist echt hoch.

Seit einiger Zeit schwächelt die Waschmaschine und frisst das eine oder andere Kleidungsstück an. Das tut meiner Seele manchmal weh, aber ich habe beschlossen, diese Problematik noch eine Weile zu ignorieren.

Vorgestern hat meine liebe und sehr patente Freundin T mich darauf aufmerksam gemacht, dass das Brummen meines Herdes beim Einschalten der Kochplatte vorne links nicht normal ist. Ich bin kein Elektriker und habe mich mittlerweile an das Brummen gewöhnt. Die Platte wird heiß, wenn ich das will und auch wieder kalt, wenn ich das will. Ich halte also durch.

Parallel dazu ging die Toilettenspülung kaputt. Der Knopf lässt sich durchdrücken, ohne dass ein Widerstand zu spüren ist und so kommt einfach kein Spülwasser, wenn man es benötigt. Ich habe also den ganzen Mist auseinandergebaut und folgende Feststellung gemacht: Eine Reparatur des Knopfes ist nicht möglich, da er durch eine kleine Metallfeder zurückfluppt, die offensichtlich gebrochen ist. Meine Erfahrung mit kleinen Fluppdingern ist die, dass man die nicht als Ersatzteil kaufen kann, also wird sicher ein komplett neuer Spülkasten fällig.

Weiterhin befinden sich Spinnweben im Spülkasten. Das wirft ganz andere Fragen auf: Wie kommen die Spinnen da hinein? Sind diese Gebilde überhaupt ein Produkt von Spinnen? Egal welche Lebensform darin wohnt – wovon lebt die? Von einer anderen geheimnisvollen Lebensform? Von Spülwasser? Oder von der grauschwarzen Knatschepatsche, die ich dort ebenfalls zu meiner Überraschung gefunden habe? Ich habe wirklich nicht gewusst, dass Spülkästen innen so versifft sind. Woher kommt das? Ist das normal? Oder hat mir nur nie jemand beigebracht, dass man Spülkästen einmal in der Woche putzt? An dieser Stelle bitte ich also um Nachricht von Biologen und professionellen Reinigungskräften.

Eben habe ich mich noch einmal mit der Mechanik des Spülkastendeckels auseinander gesetzt und habe eine vorerst kostenfreie Notlösung gefunden. Ich entferne den kompletten Druckknopf. Dann befindet sich an dieser Stelle eine Öffnung. Durch diese Öffnung kann man das schwarze Kunststoffding, welches normalerweise durch den Knopf bewegt wird, unmittelbar herunterdrücken und das Wasser läuft. So kann ich den Kauf eines komplett neuen Wasserkastens noch ein bisschen schieben. Vielleicht fällt mir sogar noch eine bessere Lösung ein oder ich finde ein passendes Fluppding.

Aber wir sind noch nicht am Ende mit Alles geht kaputt. Der Motor meines Autos läuft im Leerlauf nicht mehr rund. Es kann was ganz harmloses sein. Das hoffe ich natürlich. Um das herauszufinden muss man aber bei meinem ansonsten wirklich tollen Auto die komplette Front auseinanderbauen. Allein das kostet fast eine ganze Arbeitsstunde. Welche Überraschung mein Auto für mich bereithält, ist an diesem Punkt noch unklar und wer weiß, was zur Auflösung noch alles auseinander genommen werden muss. Ich glaube, ich halte lieber das unrunde Gewackel im Leerlauf aus. Das scheint mir momentan die schonendere Alternative für mein manchmal empfindliches Nervenkostüm.

Sonst noch was kaputt? Nö, ich glaube das war's für's erste. Und nun fahre ich mit meinem unrunden Wackelauto zur Kita und bringe dem im Karnevalsfieber befindlichen Kind die Süßigkeiten für das Karnevalspartybuffet sowie die Judosachen. Danach schwinge ich meinen Hintern im Fitnessstudio auf diverse Geräte und freue mich des Lebens. Ich gehe nämlich nicht so schnell kaputt.

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Arrangements und Mutationen
Drei Miezen, zwei Jungs, eine Frau über 40 in einem chaotischen und etwas beengten Haushalt müssen jeden Tag Wege finden, sich zu arrangieren.

An manchen Tagen wird die Überbevölkerung in meiner Wohnung bereichert durch andere Teenie-Dinger, andere Frauen über 40, Kumpels von Prachtexemplar Nr. 2, meinen Herzensmann. Ab und an sind Vertreter aller Gruppen gleichzeitig anwesend. Dann kann ich die Heizung ausmachen, weil es von alleine mollig warm wird.

Im täglichen Arrangieren bevorzugen vor allem meine Miezen einfache aber effektive Lösungen. Jeder Raum ist aktuell im Besitz einer Mieze. Innerhalb von begehrten Räumen hat jede Mieze ein eigenes Unterrevier. Selbst ich bin in Reviere eingeteilt. Madame Lilli beansprucht meinen Oberkörper, der schwarze Pelz bevorzugt ohnehin den Fußbereich und Katerli Piet darf sich in der Mitte aufhalten.

Wenn es zu Unstimmigkeiten kommt, dann werden diese auf der Stelle ohne falsches Getue geklärt. Einmal Fauchen, notfalls draufkloppen, der oder die Stärkere gewinnt. Fertig.
Beneidenswert das, nur leider nicht immer alltagstauglich oder allzeit übertragbar auf ein Leben in der menschlichen Zivilisation.

Ebenfalls beneidenswert ist die natürliche Begabung für das „Locker in den Bauch atmen“. Da wird nichts eingezogen, nichts kaschiert. Der Pelz wächst mit und wenn das Fett im Sommer wieder weniger wird, dann hängt's halt. Macht nichts, füllt sich im Herbst ja sowieso wieder. Nur beim Laufen ist die pendelnde Masse manchmal hinderlich. Aber auch hier gibt es eine einfache Lösung: entweder gar nicht erst laufen oder dem wabbeligen Bauchbeutel breitbeinig ausweichen.

Und nun bin ich schon beim Sein ohne Wie geht’s weiter angelangt. Ich glaube, die Katzen haben diese Daseinsform erfunden. Sie machen das von der ersten bis zur letzten Lebensminute. Sie kennen gar nichts anderes. Diese Theorie beantwortet auch meine Frage, ob Katzen sich eigentlich über nichts oder über unfassbar viel Gedanken machen, wenn Sie z.B. mit leerem Blick auf einem Schaffell stehen und das schnurrend durchkneten: keine Gedanken – einfach nur sein.

Ein Teil von mir verharrt ja derzeit ebenfalls in diesem Zustand und ich bin sehr fasziniert von dieser unendlichen Leere. Sie ist weder beängstigend noch lähmend. Sie kann überhaupt nicht bewertet werden. Sie ist einfach da.

Mutiere ich nun zu einer Katze? Bin ich bald ungeeignet für ein Leben in der menschlichen Zivilisation? Sollte ich mir einen Job als lebende Wärmflasche suchen? Damit verdienen meine Miezen schließlich auch ihr Futter und ihre Leckerlis.

Das wäre bestimmt auch eine Tätigkeit, bei der der Werwolf in mir kuschelweich und friedlich bleiben würde. Wie die Katzen bestimme natürlich ich die zu wärmende menschliche Unterlage sowie Zeitpunkt und Dauer. Ob das dem betreffenden Menschen dann gerade passt, ist mir vollkommen gleichgültig. Zeitungen walze ich einfach platt, volle Kaffeetassen, die gerade an den Mund geführt werden, eliminiere ich mit einem zielstrebigen Kopfkick. Nach dem Einnehmen einer für mich möglichst bequemen Position beginne ich meinen Job. Wenn die Unterlage brav stillhält, aufhört zu lesen und den Kaffee kalt werden lässt, dann bekommt sie als Dreingabe eine feine krallenunterstützte Knetmassage sowie einen Sabberfleck auf dem Pulli.

Ich werde mal bei meinem Herzensmann anfragen. Vielleicht springt ja ein unbefristetes Arbeitsverhältnis für mich heraus.

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Dienstag, 14. Februar 2012
Wallende Hormone in Camp Hilde
Mindestens genauso wie finanzamtlichen Geld-Konfetti-Regen liebe ich meine Stützstrumpfhosen von der Kaufhof-Hausmarke.

Diese denkwürdige Feststellung habe ich heute während eines Telefonats mit meiner Schwester geäußert. Wir haben uns darüber amüsiert und weiterhin festgestellt, dass solche Aussagen früher für uns unvorstellbar gewesen wären.

Früher, als ich ein ekelhaft rebellisches Teenie-Ding war, waren Frauen über 40 einfach nur alt. Keine Frauen mehr und perfekt für Stützstrümpfe geeignet, aber das hat doch nicht mich betroffen! Ich über 40? In Stützstrümpfen? Unvorstellbar. Und das ohne Selbstmordabsichten zu hegen. Die zeitliche Vorstellungskraft meines frisch formatierten Gehirns hat einfach nicht weiter gereicht als bis zum nächsten Tag – allerhöchstens bis zum nächsten Disco-Abend.

Als ekelhaft rebellisches Teenie-Ding bin ich im Winter ohne Strumpfhose, Schal, Unterhemd, Mütze, Handschuhe, dafür in kurzer, offener Jacke und kaputten Chucks im Schnee herumgelaufen und habe nicht gefroren. Das ging viele Jahre so. Lediglich die Optik des winterlichen Outfits hat sich weiterentwickelt.

Jetzt bin ich über 40 und habe selbst ein manchmal grummeliges Teenie-Ding. Dieses Teenie-Ding toppt meine Winter-Kluft von damals noch damit, dass es bei Minus 15° C jeden Morgen mit nassen Haaren und selbstverständlich ohne Kopfbedeckung zur Schule schlurft. Im dünnen Sommerjäckchen, weil der Parka nicht gefällt.

Ich gleiche das Ganze aus, indem ich vergraben unter diversen Stoffschichten kombiniert mit Strumpfhosen, am liebsten Stütz, ziemlich unelegant hinterherwackel und trotzdem noch friere. Im Aldi gab's vor Wochen Angorawäsche, mit der ich ernsthaft geliebäugelt habe.

Meiner lieben, erfahrenen, ebenfalls alleinerziehenden Freundin M mit etwas älterem Sohn habe ich mein Leid betreffend Teenie-Ding geklagt und wurde mit den Worten: „Das hat meiner in dem Alter auch gemacht. Davon sterben die nicht.“ beruhigt.

O.K. Ich verlass mich auf dein Urteil, liebe M.

Mittlerweile hatte ich die Mittelohrentzündung und Teenie-Ding schlurft immer noch von sämtlichen Bakterien und Viren unbehelligt mit nassem Kopf in der Kälte herum.

Kann das was mit Hormonen zu tun haben? Hormone haben die erfrischende Eigenschaft für fast alle befremdlichen Anwandlungen im menschlichen Dasein verantwortlich zu sein. In diesem Fall vielleicht etwas in dieser Art: Hormone in Wallung bei Teenie-Dingern – Klamotten und Föhn aus. Hormone in Wallung bei über 40jährigen Frauen – Stützstrümpfe und Angorawäsche an.

Was machen analog die Männer? Lange Feinrippunterhose ergänzt durch hübsche Kniestrümpfe sowie zartgelbem Schlöbber im Schiffchen-mit-Kompass-Muster anziehen? Wahrscheinlich sowas in der Art.

Mein Herzensmann ist noch zu jung. Ich werde berichten, wenn es soweit ist.

Ein weiteres unerschöpfliches Thema sind Teenie-Dinger und das Frau-Sein über 40. Auch hierzu später mehr.

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Montag, 13. Februar 2012
Der Immer-mal-wieder-und-dann-doch-nicht-Mann
Der Immermalwiederunddanndochnicht-Mann hat sich nach 1 1/2 Jahren bei mir gemeldet. Sehr eigenartig das.

Wir kennen uns seit fast dreizehn Jahren. Am Anfang war ich immer total genervt von dem Typen, der mich umschwirrt hat und gleichzeitig auf Abstand war. Den Abstand hat er erst gesucht, nachdem er erfahren hatte, dass ich verheiratet bin und ein kleines Kind hab. Vorher ist er meiner "britischen Ausstrahlung" erlegen. Er dachte, ich wäre eine Austauschstudentin.

Und trotzdem hat er es nicht ertragen, mit mir ein einem Raum zu sein, ohne von mir beachtet zu werden. Und ich war irgendwann nicht mehr genervt, sondern hab mich auf seine komische Art eingelassen und festgestellt, dass unsere Gehirne in einem wunderbaren Gleichklang funktionieren. Wenn wir so richtig in Fahrt gekommen sind, dann hats Funken gesprüht und es gab Feuerwerk. Wir haben so viel Blödsinn geredet, dass es für Umstehende nicht zu ertragen war und wir haben so wild geschäkert, dass Leute, die unseren Umgang miteinander nicht kannten, dachten, wir reißen uns gleich hier und auf der Stelle die Klamotten vom Leib und fallen übereinander her. Dazu hat es nie vieler Worte gebraucht. Man musste nicht hören, was wir sagen.

Wir waren beide immer in irgendwelchen Beziehungen und haben trotzdem nie einen neutralen Umgang miteinander gepflegt. Einmal waren wir beide frei und haben uns etwas mehr getraut. Mit dem Ergebniss, dass ich uns ausprobieren wollte. Er wollte nicht. Ist wieder im Off verschwunden.

Jahrelang läuft das nun so, dass wir voneinander gar nichts hören. Dann meldet er sich und innerhalb kürzester Zeit landen wir wieder in unserem ganz speziellen Immermalwiederunddanndochnicht.

Nur diesmal ist alles anders. Für mich. Für mich ist es zwar immer noch immermalwieder, aber dieses Mal nicht danndochnicht, sondern wieschöndassesdichgibtabernunhabeichmeinherzverschenkt.

An DEN Mann. An den Mann, der entzückt von mir ist, wenn ich einfach nur bin, wie ich bin. Der jeden Tag mein Herz berührt. Der über sich hinauswächst, wenn ich ihn brauche. Der mit mir albernes Zeug redet. Der dieselben Feinheiten sieht und versteht wie ich. Der mit mir Dinge bespricht, die besprochen werden müssen und uns danach einander noch näher bringen. Der als Planer mich Improvisator ergänzt. Der mit mir eine Zukunft haben will und in dieselbe Richtung blickt wie ich. Der alle anderen Männer in jeder Beziehung übertrifft.

Ich vermute, viele Frauen haben einen Immermalwiederunddanndochnicht-Mann. Umgekehrt gibt es das bestimmt auch. Ich genieße die Freundschaft zum Immermalwieder-Mann, weil es mir unter anderem verdeutlicht, worin der Unterschied zum Herzensmann besteht: Im Mut zur Praxis.

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