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Mittwoch, 22. Februar 2012
Wutschnaubende Schafe im 21. Jahrhundert
Wie bereits erwähnt, werde ich zeitweilig von Werwölfchen heimgesucht. Das kommt derzeit relativ selten vor, trotzdem weiß ich, dass es ständig auf der Lauer liegt. Bereit zuzupacken, wenn sich die Ungerechtigkeit nähert. Dann nämlich schalten sich mit Lichtgeschwindigkeit sowohl Verstand als auch Harmoniebedürfnis ab und Werwölfchen drängelt sich mit aller Macht vor, um anzugreifen. Vollkommen gleichgültig, wer dann vor mir steht.

Ich bin immer sehr dafür, die Form zu wahren und zwar möglichst in jeder Lebenslage. Leider stauen sich dadurch im Laufe der Zeit negative Schwingungen, im schlimmsten Fall echt üble Aggressionen auf. Die suchen sich ungeachtet dessen, ob es gerade passend ist, ihren Weg nach draußen. Werwölfchen springt aus dem Schafspelz.

Wenn ich mich so richtig ungerecht behandelt fühle, mich jemand extrem ausdauernd triezt, kann ich von einer Sekunde auf die andere so furchtbar böse werden, dass allein der Überraschungseffekt eine äußerst schockierende Wirkung auf mein Gegenüber hat. Damit konnte ich manche Situation schon zu meinem Vorteil entscheiden.

Ist der betreffende Verursacher gerade nicht griffbereit, schwelge ich je nach Zyklusphase in mehr oder weniger genussvollen Phantasien, wie ich wutschnaubend, völlig derangiert, mit Schaum vor dem Mund, kreischend und brüllend, mit zerzaustem Haar und irrem Blick alles herauslasse, was mir gerade durch den Kopf wütet. Hach, wie schön.

Ein anderer Weg sind meine Träume. Im Traum hab ich schon so manchen Zeitgenossen geschüttelt, gewürgt, geschlagen. Eine Zeitlang fand ich diese Art der Aggressionsverarbeitung frustrierend. Warum konnte ich denn nicht einfach alle miesen Gefühle rauslassen, wenn ich wach war und auch was davon hatte?

Viel zu selten gibt es Ansätze in dieser Richtung, wenn ich auf der Rudermaschine sitze. Dann schaffe ich eine Zugkraft um die 120 Watt. Ich glaub, das ist für eine Frau meiner Statur ziemlich viel. Im Normalfall bin ich beim Rudern jedoch damit beschäftigt, meine Arme und Beine in der korrekten Weise zu koordinieren. Das lenkt eher von eventuellen Aggressionen ab.

Ich habe mich mit einer klugen Person über dieses Thema unterhalten und wurde beruhigt: Besser im Traum raus damit als gar nicht.

Oft schreie ich in diesen Träumen furchtbar laut; in Wirklichkeit kommt nur ein klägliches Fiepen heraus. Dann weckt Herzensmann mich und ich kann gut beschützt weiter schlafen. Einmal habe ich nicht nur im Traum laut geschrien. Herzensmann hat mich glücklicherweise auch in dieser Nacht gerettet. Meine Nachbarn waren sicher nicht entzückt, sind vielleicht vor Schreck aus dem Bett gefallen, habe ich es doch ziemlich zeitgleich mit dem Geweckt werden über mir laut poltern hören.

Was also war der Grund für eine derartige Lautstärke? Ich habe geträumt, dass eine fiese Kreatur mir verboten hat, für die nächsten zwei Jahre Herzensmann zu sehen. Wenn das kein Grund zum Schreien ist, dann weiß ich es auch nicht.

Nachtrag:
Eben war ich im Kino und habe „In guten Händen“ gesehen. Der Film spielt Ende des 19. Jahrhunderts. Mit meinen unbeherrschten Anwandlungen wäre ich damals bestimmt auch mit der Diagnose „Hysterie“ je nach finanzieller Situation zum Versuchskaninchen für den ersten Vibrator oder weggesperrt worden. Wie gut, dass ich heute lebe. Abgesehen davon war das aber ein netter Mittwochnachmittag-15-Uhr-Film.

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Dienstag, 21. Februar 2012
Murmeli im Winterschlaf
Letztes Wochenende hatten Herzensmann und ich mal wieder kinderfrei. Die Erzeuger meiner Prachtexemplare halten sich vorbildlich an die Jedes-Zweite-Wochenende-Regelung. Dafür bin ich ihnen äußerst dankbar. Schließlich tragen sie mit ihrer Zuverlässigkeit zur Pflege unserer Beziehung bei.

Wenn wir sturmfrei haben und es so richtig gemütlich und kuschelig (also noch jugendfrei) ist, dann neige ich dazu mein tief empfundenes Wohlbehagen durch meerschweinartige Laute zu vertonen. Die kommen einfach so aus meinem Innersten ungefiltert heraus. Vorherige Männer haben damit noch keine Bekanntschaft gemacht, woran man die Erlesenheit meiner Empfindungen für Herzensmann erkennt.

Die Meerschwein-Laute haben uns am Wochenende wiederholt amüsiert. Herzensmann freut sich zu meinem Glück darüber und ist nicht pikiert oder sonstwas. Anderenfalls wäre das eine essentielle Einschränkung für mich.

Über die Vertonung meines Wohlbehagens haben wir die Verknüpfung zu dem kleinen Zoo in unserer Nähe, den wir schon im letzten Jahr gemeinsam besuchen wollten, gebildet. Dort leben nämlich Erdmännchen. Und die finde ich ganz entzückend. Genauso wie Murmeltiere.

Wir haben uns als nächstes gefragt, ob Erdmännchen und Murmeltiere miteinander verwandt sind.
Ich habe recherchiert und zwar auf der empfehlenswerten Seite www.naturlexikon.com:
Nein, nicht verwandt. Erdmännchen gehören zu der Familie der Schleichkatzen, Murmeltiere zur Familie der Hörnchen. Lediglich in der Lebensweise von Erdmännchen und Murmeltieren gibt es leichte Überschneidungen, zum Beispiel das Leben in Kolonien und das Reagieren bei Gefahr mit schrillen Lauten.

Sehr sympathisch erscheint mir diese Schlafgewohnheit der Erdmännchen: Mehrere Tiere legen sich aufeinander, damit Wärmeverlust weitestgehend vermieden wird. An dieser Stelle gibt es wiederum eine Überschneidung zu meinem Verhalten. Herzensmann wird oft und gerne von mir (manchmal von meinen Katzen) als Wärmeunterlage genutzt.

Männliche Murmeltiere werden auch als „Bär“ bezeichnet, weibliche als „Katze“. Wer uns kennt, kann sich nun über die Analogie zu unserer jeweiligen körperlichen Konstitution freuen. Ganz besonders süß finde ich die Bezeichnung der Schweizer für Murmeltiere, nämlich „Murmeli“. Ich schätze mal, Herzensmann wird sich künftig mit einem neuen Namen abfinden müssen.

Ein bisschen beneide ich die Murmeltiere um ihren Winterschlaf. Wäre das nicht schön, wenn wir uns im Sommer eine beachtliche Speckschicht anfressen dürften, um dann die kalte Jahreszeit zu verschlafen?

Die Umwelt würde nicht durch den übermäßigen Gebrauch von Streusalz belastet. Die Kfz-Versicherungen würden viel Geld sparen, weil niemand mit Sommerreifen bei Schnee und Glatteis herumfährt. Die Natur könnte sich vom Schädling Mensch etwas erholen.
Wir blieben von Winterdepressionen verschont und würden pünktlich zur Paarungszeit schlank und ausgehungert wieder aufwachen. Auf den alljährlichen Weihnachtswahnsinn, die Frage, wie man Silvester verbringt und vor allem Karneval verzichte ich liebend gern.

Genug geträumt. Zurück in mein menschliches Chaos-Dasein im Camp Hilde. Prachtexemplar Nr. 2 wartet ungeduldig darauf, dass ich ihn zum Hort fahre. Ich hingegen habe langweilige Hausfrauendinge zu erledigen, ziehe später in den Kampf gegen lästigen Wabbel und setze vielleicht meine Abenteuer-Tour im Reich der Pappkartons (→ Magere Zeiten oder Konfetti aus dem Goldpokal) fort.

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Donnerstag, 16. Februar 2012
Das raffinierte Schweinchen-Gen
Als langjährig geübte Mutter arbeite ich mit allen Tricks. Ich frage zum Beispiel nicht „Willst du dich mal wieder waschen?“, sondern sage „Du darfst dir aussuchen, ob du baden oder duschen willst.“ Hört sich viel besser an, zeigt wie großzügig ich bin und bis zu einem gewissen Alter fallen die Kinder auch darauf herein.

Aber meine Kinder sind ja schließlich zur Hälfte von mir. Haben eindeutig das raffiniertes-kleines-Schweinchen-Gen geerbt. Prachtexemplar Nr. 2 ist mittlerweile neun, kennt meine Tricks, bemerkt das sofort, wenn ich sie anwende und versucht mit allen Mitteln dem Willen der Mutter zu entkommen.

Woher kommt dieses mangelnde Interesse am lecker sauber und frisch sein? Fühlt sich doch gut an und alle Menschen, die einem näher als zwei Meter kommen, freuen sich über einen angenehmen Duft und ansprechende Optik.

Wie so oft versuche ich mich daran zu erinnern, wie das bei mir in dem Alter war. Leider bin ich auf meiner Festplatte nicht fündig geworden. Ich finde lediglich verschwommene Erinnerungen an eine Mama, die mir morgens bevor ich aus dem Haus gehe vor den Augen meiner Freundin die Haare kämmt und mit dem Waschlappen noch einmal durchs Gesicht fährt. Dazu gibt es noch den Klassiker: Vor dem Besuch bei Oma oder im Restaurant auf's Stofftaschentuch mütterliche Spucke geben und damit der Brut beherzt durchs Gesicht wischen. All das habe ich vermieden, weil ich wenigstens etwas besser machen wollte, damit hier keine traumatischen Erlebnisse zur Waschverweigerung führen. Leider hatte diese gute Absicht nicht die gewünschte Wirkung. Die Ursache muss eine andere sein.

Alternative Theorien sind diese:
a) Dreck hält warm. Wir haben Winter.
b) Alle Jungs sind bis zur ersten Freundin Waschverweigerer. Manche auch danach noch. Das sind dann die hoffnungslosen Fälle.
c) Es könnte sein, dass Kind sich im Wasser auflöst. Kind will aber unbedingt groß und stark werden – gerne stinkend.

Vollkommen wurscht, woran es liegt. Ich will mein Ziel erreichen. Und zwar jedes Mal. Heute hatte ich ein super Argument. Kind hat rotes Spray in den Haaren. Damit könnten heute Abend die Kuscheltiere im Bett eingesaut werden. Nicht alle Kuscheltiere kann man waschen und unsere Waschmaschine frisst wahllos den zu waschenden Inhalt an. Die Gefahr ein verunstaltetes Kuscheltier zu haben will Kind nicht eingehen. Aber! Es handelt sich wie bereits erwähnt um MEIN Kind. „Mama, ich kann mich ja einfach über den Wannenrand beugen. So wie du, wenn du dir nur die Haare wäschst.“ So. Da hab ich es mal wieder. Clevere Kinder sind wirklich toll. Meine Jungs erfüllen mich mit Stolz und ich freue mich mindestens einmal am Tag über jeden von beiden. Meistens lebe ich sogar im Dauerfreu.

Nachgeben ist eine äußerst gefährliche Reaktion und liegt mir grundsätzlich nicht. Ich bin der Chef und notfalls lasse ich einfach keine Diskussionen mehr aufkommen. Mama-Chef befiehlt - Kind hat zu gehorchen. Diese Vorgehensweise hatte übrigens auch schon verdächtige Auswirkungen: Mein Teenie-Ding hatte im Kindergartenalter wahrscheinlich genau deswegen den Berufswunsch „Chef“. Darüber darf ich nicht weiter nachdenken. Ich hoffe, auf seiner Festplatte hat sich „Chef befiehlt – Nicht-Chef gehorcht“ nicht verfestigt. Das könnte im Berufsleben fatale Folgen haben. Momentan kann ich glücklicherweise keine Anzeichen in dieser Richtung entdecken, aber Kinder sind Wundertüten. Wer weiß, was da noch kommt.

Ich werde mir heute also Gedanken machen über die geschickteste Umsetzung meines Plans. Überraschungseffekte sind immer gut. Verwöhnprogramm ist auch nicht schlecht. Die Aussicht auf Badesalz, welches das Wasser blau färbt (beruhigendes Lavendel!) und in der Wanne etwas von Mama, diese natürlich positioniert vor der Wanne, vorgelesen zu bekommen zieht bei Prachtexemplar Nr. 2 manchmal noch. Vielleicht versuche ich das.

Was Teenie-Ding – derzeit meines Wissens noch ohne Freundin - im Bad veranstaltet weiß ich übrigens nicht. Seit ca. 2-3 Jahren verschanzt er sich zu meiner Freude alleine im Bad und tut Dinge. Die Geräuschkulisse (Zähneputzen, laufendes Wasser) passt, aber wie gesagt: raffiniertes, kleines Schweinchen...

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