Kinkerlitzchensfasten nach Art des Hauses
Vor zwei Tagen habe ich mich dazu entschlossen, zu fasten. Auf meine ganz spezielle Art und Weise. Ich mache Klamotten- und Kinkerlitzchensfasten. Das zwar auch aus meiner finanziellen Not heraus, eine spannende Herausforderung ist es gleichwohl.
Auf die Idee bin ich gekommen, nachdem mir mein Prachtexemplar Nr. 2 erzählt hat, dass sein Kumpel während der Fastenzeit auf Gemüse verzichtet. Sehr süße Idee von einem raffinierten kleinen Kerl, der meines Wissens kein Vegetarier ist. So kann man mit dieser von Kindern meist ungeliebten Tradition natürlich auch umgehen.
Für mich allerdings wird das echt hart. Wie gesagt, ich hab zwar ohnehin keine Kohle, aber das hab ich fast nie und trotzdem kann ich meist noch was abzwacken für ein reduziertes Teil. Wenn mir ein begehrenswertes Kinkerlitz oder Kleidungsstück begegnet, kommt zuerst mein hart antrainierter Geiz zum Zuge. Als nächstes redet mir eine Freundin gut zu. Dann male ich mir aus, was ich mir im Gegensatz zu anderen Mitmenschen versage, z. B. Nagelstudio, Sonnenbank, alle sechs Wochen zum teuren Friseur, rauchen, saufen, in der Spielhölle abhängen, (na gut, das sind keine großen Opfer für mich) … und schon finde ich noch irgendwo fünf Euro. Schwups hab ich mal wieder Beute gemacht und meiner empfindsamen Seele etwas Gutes getan.
Heute morgen hab ich drei ziemlich zerfetzte Strumpfhosen in meiner Schublade gefunden. Normalerweise hätte ich jetzt ohne weiter darüber nachzudenken, meinen ohnehin beachtlichen Strumpfhosenbestand aufgestockt. Mir kam sogar schon ein spezielles Schnäppchen in den Sinn, nämlich ein Zweierpack Strumpfhosen von Tchibo in blau und schwarz, 80 den, ganz weich, also perfekt für mich. Ich habe sogar schon Tage vor meinem Fetzenfund damit geliebäugelt. Ich werd sie mir verkneifen. Falls an dieser Stelle ein großzügiger Lesemensch das Bedürfnis verspüren sollte, ins nächste Tchibogeschäft zu laufen und mir die Strumpfhosen zu kaufen: Ich hab Größe S. Geschenke nehme ich gerne an und bedanke mich schon jetzt für die milde Gabe.
Zwei der löchrigen Strumpfhosen habe ich sofort entsorgt. Der Dritten gebe ich heute den Rest. Die Löcher sind alle im Fuß- und Fersenbereich. Mit Stiefeln geht das noch einmal.
Ich als großer Fan von excel-Tabellen werde aufzeichnen, wie viel – derzeit ohnehin nicht vorhandenes, also imaginäres - Geld ich dadurch „einspare“. An Ostern werde ich mich genüsslich in meinem Fastenerfolg suhlen und mir eine phantastische Belohnung gönnen. Allein die Vorstellung ist derart befriedigend, dass mir dieses Experiment immer besser gefällt.
Über die bevorstehenden Kämpfe mit meinem inneren Schweinemurmeli sowie das hoffentlich fabelhafte Ergebnis werde ich berichten.
Nachtrag:
Nach einer Woche summieren sich meine nicht ausgelebten Begehrlichkeiten auf 159,87 €. Morgen wird ein schwieriger Tag. Meine heißgeliebte Klatschitratsch-Frauenzeitung erscheint und ich darf sie nicht kaufen.
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Nächtliche Gedankenfragmente vom Zappelhirn
Nacht vom 24.02.2012 auf den 25.02.2012
Heute Nacht habe ich mal wieder ein zappeliges Gehirn. Mein zappeliges Gehirn hat so ausdauernd wilde Gedankenfragmente von sich gegeben, dass mein Körper irgendwann notgedrungen mitgezappelt hat.
Herzensmann ist da und ganz im Sinne der St. Valentin-Endlosschleife habe ich soeben das Bett geräumt. Jetzt ist es 2.50 Uhr und ich liege auf dem Sofa. Die Miezen erleben draußen katzige Abenteuer. Lediglich Mathilda leistet mir Gesellschaft, darum ist es etwas eng hier.
Hier ein Auszug der Gedankenfragmente:
Wechselwirkung zwischen hormonell bedingter Gewichtszunahme und Depressionen – congnacbraune Keilpumps (reduziert!) - Ist der rechte Arm von Herzensmann noch durchblutet? - Prachtexemplar Nr. 2 und ich hatten eine kleine Auseinandersetzung betreffend der Nicht-Durchführung von Haushaltsarbeiten. Kind ist beleidigt im Zimmer verschwunden. Als ich mich versöhnen wollte, lag Kind in voller Montur schlafend im Bett. Unversöhnt schlafen gehen finde ich ganz schlimm und fühle mich deswegen schlecht. - eine sehr süße Hündin namens Doro, die ich vermisse und gerne adoptieren würde – die Effektivität der Epilation von Achselhöhlen und Bikinizone – Wie funktionieren Abnehmtabletten? ….
An dieser Stelle komme ich nicht weiter, weil ich das Laptop nicht anschalten möchte. Darum mache ich jetzt das Licht aus und hoffe, dass mein Gehirn meinen Körper endlich schlafen lässt.
25.02.2012, Vormittag
Über die Frage, wie Abnehmtabletten eigentlich funktionieren und inwiefern sie schädlich sein können, bin ich gestolpert als ich am Donnerstag beim Arzt saß und mich durch diverse Frauenzeitschriften gearbeitet habe.
In einer war eine große Anzeige für Abnehmtabletten mit dem Blickfang „2=3kg“. Das kg steht unter dem =, was ich nicht formatieren kann. Jedenfalls hat mich diese Aussage irritiert und ich habe mir den Text durchgelesen. Wenn man zwei kg aus eigener Kraft abnimmt, dann bewirken diese Tabletten angeblich, dass man noch ein weiteres kg abnimmt. Sozusagen als Belohnung.
Ich weiß nicht, ob ich hier zu wenig Phantasie habe, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass der Körper als Dreingabe beim Schlucken dieser Tabletten denkt: Ach super. Ich bekomme leckere Tabletten, die machen, dass ich weniger Fett aus der Nahrung aufnehmen kann. Dann kann ich zu den 2 kg, die ich bereits aus meinen vorhandenen Fettreserven genommen habe, direkt noch eins verpulvern.
Die entsprechende Internetseite ist sehr schön aufgemacht, motivierend gestaltet und bietet ein komplettes Abnehmprogramm für Menschen, die sich davon angesprochen fühlen. Zu eventuellen Nebenwirkungen finde ich an dieser Stelle nichts, immerhin ist der Wirkstoff angegeben.
Also bin ich diesem Hinweis gefolgt und habe viele widersprüchliche Informationen gefunden. Von Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Durchfall, Schlaf- und Menstruationsstörungen wird berichtet. In einigen Foren habe ich Erfahrungsberichte von Menschen gelesen, die beispielsweise lediglich von 65 kg auf 60 kg abspecken wollten. Muss man dafür Tabletten nehmen? So ist doch der benannte Wirkstoff ursprünglich zur Behandlung wirklich fettleibiger Menschen bestimmt. Finde ich ziemlich bekloppt, aber den Herstellern sei es gegönnt. Niemand wird zum Kauf gezwungen.
Das genaue Gegenteil von „2=3“ ist „Kauf 3 Zahl 2“. Diese Konstellation erscheint mir wesentlich verheißungsvoller. Ich bin immer äußerst beglückt, wenn ich z. B. Kleidung zu Outletpreisen, die im besten Falle zusätzlich mehrfach reduziert wurden, nochmals abzüglich großzügiger Rabatte kaufen kann.
Ich liebe es, die Originalpreise zu addieren und mit dem tatsächlich gezahlten Betrag ins Verhältnis zu setzen. In solchen Situationen geraten meine eindeutig stark ausgeprägten urzeitlichen Instinkte mit dem neuzeitlichen Gewissen den Menschen, die diese Klamotten hergestellt haben, gegenüber in Konflikt. Und schon habe ich meine nächsten Forschungsgebiete:
1. Urzeitliche Instinkte
2. Gewissen
3. Produktionsstätten meiner bevorzugten Jagdgebiete
Ich werde recherchieren und die Ergebnisse demnächst hier präsentieren.
veilchenpastille am 25. Februar 12
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Wutschnaubende Schafe im 21. Jahrhundert
Wie bereits erwähnt, werde ich zeitweilig von Werwölfchen heimgesucht. Das kommt derzeit relativ selten vor, trotzdem weiß ich, dass es ständig auf der Lauer liegt. Bereit zuzupacken, wenn sich die Ungerechtigkeit nähert. Dann nämlich schalten sich mit Lichtgeschwindigkeit sowohl Verstand als auch Harmoniebedürfnis ab und Werwölfchen drängelt sich mit aller Macht vor, um anzugreifen. Vollkommen gleichgültig, wer dann vor mir steht.
Ich bin immer sehr dafür, die Form zu wahren und zwar möglichst in jeder Lebenslage. Leider stauen sich dadurch im Laufe der Zeit negative Schwingungen, im schlimmsten Fall echt üble Aggressionen auf. Die suchen sich ungeachtet dessen, ob es gerade passend ist, ihren Weg nach draußen. Werwölfchen springt aus dem Schafspelz.
Wenn ich mich so richtig ungerecht behandelt fühle, mich jemand extrem ausdauernd triezt, kann ich von einer Sekunde auf die andere so furchtbar böse werden, dass allein der Überraschungseffekt eine äußerst schockierende Wirkung auf mein Gegenüber hat. Damit konnte ich manche Situation schon zu meinem Vorteil entscheiden.
Ist der betreffende Verursacher gerade nicht griffbereit, schwelge ich je nach Zyklusphase in mehr oder weniger genussvollen Phantasien, wie ich wutschnaubend, völlig derangiert, mit Schaum vor dem Mund, kreischend und brüllend, mit zerzaustem Haar und irrem Blick alles herauslasse, was mir gerade durch den Kopf wütet. Hach, wie schön.
Ein anderer Weg sind meine Träume. Im Traum hab ich schon so manchen Zeitgenossen geschüttelt, gewürgt, geschlagen. Eine Zeitlang fand ich diese Art der Aggressionsverarbeitung frustrierend. Warum konnte ich denn nicht einfach alle miesen Gefühle rauslassen, wenn ich wach war und auch was davon hatte?
Viel zu selten gibt es Ansätze in dieser Richtung, wenn ich auf der Rudermaschine sitze. Dann schaffe ich eine Zugkraft um die 120 Watt. Ich glaub, das ist für eine Frau meiner Statur ziemlich viel. Im Normalfall bin ich beim Rudern jedoch damit beschäftigt, meine Arme und Beine in der korrekten Weise zu koordinieren. Das lenkt eher von eventuellen Aggressionen ab.
Ich habe mich mit einer klugen Person über dieses Thema unterhalten und wurde beruhigt: Besser im Traum raus damit als gar nicht.
Oft schreie ich in diesen Träumen furchtbar laut; in Wirklichkeit kommt nur ein klägliches Fiepen heraus. Dann weckt Herzensmann mich und ich kann gut beschützt weiter schlafen. Einmal habe ich nicht nur im Traum laut geschrien. Herzensmann hat mich glücklicherweise auch in dieser Nacht gerettet. Meine Nachbarn waren sicher nicht entzückt, sind vielleicht vor Schreck aus dem Bett gefallen, habe ich es doch ziemlich zeitgleich mit dem Geweckt werden über mir laut poltern hören.
Was also war der Grund für eine derartige Lautstärke? Ich habe geträumt, dass eine fiese Kreatur mir verboten hat, für die nächsten zwei Jahre Herzensmann zu sehen. Wenn das kein Grund zum Schreien ist, dann weiß ich es auch nicht.
Nachtrag:
Eben war ich im Kino und habe „In guten Händen“ gesehen. Der Film spielt Ende des 19. Jahrhunderts. Mit meinen unbeherrschten Anwandlungen wäre ich damals bestimmt auch mit der Diagnose „Hysterie“ je nach finanzieller Situation zum Versuchskaninchen für den ersten Vibrator oder weggesperrt worden. Wie gut, dass ich heute lebe. Abgesehen davon war das aber ein netter Mittwochnachmittag-15-Uhr-Film.
veilchenpastille am 22. Februar 12
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