Mittwoch, 11. April 2012
kurz und schmerzlos
Gefühlsachterbahn kann – wenn es sich nicht um Verliebtheit in der aufregenden Anbahnungsphase handelt – lästig sein.

Den ganzen Tag war ich unterwegs zwischen der bedrückenden Ungewissheit, wie es beruflich weitergeht und dem Gefühl unermesslichen Reichtums, wenn ich meine tollen Jungs beobachtet hab, von Madame Lilli belagert wurde oder mit dem Bärtigen unterwegs war.

Ungeachtet dessen finde ich diese Gefühlskapriolen auch beruhigend. Ich durchlebe an einem Tag einen riesigen Bereich des menschlichen Gefühlsspektrums. Das ist mir lieber als von Depressionen geplagt auf dem Sofa zu versteinern.

Jetzt werde ich noch mit Hundi unsere Abschlussrunde für heute drehen. Ich muss ihn ablenken von dem Metallschrank, der hinter mir steht. Nach drei Wochen in Camp Hilde hat er ihn eben wahrgenommen und als potentielle Bedrohung identifiziert, die ausgiebig und laut angebellt werden muss. Dummerweise haben wir fast 22 Uhr und im Gegensatz zu meinen polternden und brüllenden Nachbarn liegt mir etwas an den üblichen Ruhezeiten.

Gute Nacht, meine Lesemenschen. Ich verabschiede mich für heute.

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Montag, 9. April 2012
Motzbacke im Jammertal
Jetzt gerade im Moment bin ich unzufrieden. Ich will endlich wissen, wie es weitergeht. Das wertfreie „Im Sein ohne Wie geht’s weiter“ hat Urlaub. Das hoffe ich mal zumindest. Weil Urlaub bedeutet ja, dass es wiederkommt und das hätte ich schon ganz gerne.

Diese für mich komplett neue Situation überfordert mich. Seit dem Moment, in dem ich in die Lehre gekommen bin, also vor über 20 Jahren, habe ich noch nie so wenig gearbeitet wie jetzt. Wobei arbeiten tue ich ja trotzdem: Kinder, Katzen, Hund, mein Seelenleben, Haushalt. Alle wollen versorgt werden und das mache ich auch wirklich gerne. Naja, eine Haushälterin wäre schon eine feine Sache. Unabhängig davon: Über Langeweile kann ich nicht klagen.

Trotzdem. Ich will Geld verdienen. Mit einer schönen Beschäftigung, die sich mit allem vereinbaren lässt und mich im Idealfall auch noch zufrieden macht. Ist das zuviel verlangt? Habe ich mal wieder zu hohe Ansprüche? Keine Ahnung.

Und nicht nur das. Ich will endlich aus meiner Wohnung raus. Das geht aber erst, wenn ich einen Käufer dafür gefunden habe und es ist weit und breit keiner in Sicht. Ich fühle mich gefangen in meinen eigenen vier Wänden. Ich will hier weg, weil ich mit Herzensmann zusammen und in einen anderen Stadtteil ziehen möchte. Blödes Abhängigkeitsgefühl von irgendwelchen äußeren Umständen.

Was mich kurzfristig retten könnte, wäre ein fetter Geldgewinn, aber die gehen immer woanders hin. Bäh, alles doof. Heute habe ich den Tag nur genutzt, um mich in eine kleine Motzspirale reinzuarbeiten. Passend zum pissigen Regenwetter. So. Genug jetzt.

Gibt’s denn zum Abschluss wenigstens noch etwas Positives? Ein bisschen was:
Bing mag kein Regenwetter. Ich auch nicht. Also werden sämtliche Entleerungsvorgänge auf das Nötigste reduziert und dann schnell wieder rein ins Trockene. Guter Hund.

Teenie Ding hat ohne mein Zutun Schuhe gefunden, die ihm gefallen und ich konnte sie bestellen!!! Wer schonmal mit einem Teenie Schuhe kaufen musste, weiß warum ich das außerordentlich beglückend finde.

Prachtexemplar Nr. 2 liegt schon den ganzen Tag abwechselnd mit dem schwarzen Pelz in seinem Bett und liest oder im Bett seines Bruders und schaut beim Computerspielen zu. Motzmama muss nicht kommunizieren. Super.

Das war's für heute aus dem Jammertal namens Camp Hilde. Zum Trost werde ich nach dem Abendessen und einer ausgiebigen Abendrunde mit Hundi (trotz Regen) in die Badewanne gehen.

Irgenwie bekomme ich doch noch die Kurve in's Positive...

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Freitag, 6. April 2012
Geschäftsbeziehungen und Wandererwaden
Mittlerweile bereichert der bärtige Bing seit zwei Wochen die Besatzung von Camp Hilde. Der Alltag holt uns langsam wieder ein. Ich habe es tatsächlich geschafft, in dieser Woche zwei Maschinen Wäsche zu waschen. Manchmal räume ich sogar die Spülmaschine aus, bevor kein sauberes Geschirr mehr da ist.

Sogar die Miezen haben sich wirklich gut mit dem neuen Mitbewohner arrangiert. Jede auf ihre Weise. Der schwarze Pelz hat – bedingt durch ein traumatisches Erlebnis mit einem Tierheim-Besuchshund – am längsten gebraucht. Ich hatte mir schon Sorgen gemacht, weil sie sich einige Tage nur aus der Ferne hat blicken lassen. Glücklicherweise waren anscheinend Hunger und im Idealfall auch ein bisschen Sehnsucht nach dem gemütlichen Zuhause größer als die Angst. Wir haben Pelzi also irgendwann beim Abendspaziergang getroffen und sie mit Hilfe von Hundeleckerlis nach Hause gelockt. Mir war jedes Mittel recht, Hauptsache sie ist wieder da. Bing war natürlich begeistert. Super! Noch so ein kleines, pelziges Ding, dass diese unverständliche Sprache spricht.

Madame Lilli hat ihm direkt am Anfang eins übergebraten. Seitdem hat Bing großen Respekt, macht sich klein, wenn sie sich nähert und lässt sie immer anstandslos vorbei. Das hat meine alte Dame am meisten überrascht, aber sie genießt ganz offensichtlich ihre Macht. Besonders, wenn Hundi noch nicht einmal eine Pfote auf's Sofa legen darf, sie es sich aber gleichzeitig auf dem Sofa und mir gemütlich machen darf.

Lediglich Punktepiet lässt Bing näher ran. Das führt leider immer zu extremen Begeisterungsstürmen beim Hund, so dass ich ihn regelmäßig bremsen muss, damit er den Kater nicht irgendwann platt drückt. Die beiden haben eine sehr fruchtbare Geschäftsbeziehung aufgebaut. Piet bringt Mäuse. Bing verzieht sich damit auf seine Decke und kaut genüsslich darauf herum. Katerli sitzt daneben und schaut ihm dabei zu. Bis jetzt habe ich ihn noch jedes Mal erwischt, ihm den köstlichen Fund aus dem Maul gepopelt und dem Friedhof der Kuscheltiere vor unserem Balkon zugeführt.

Außerdem beobachte ich immer wieder amüsiert die Unterschiede zwischen Hund und Katze. Hunde – mal zumindest unserer – sind echt unelegant, laut, trampelig und damit einfach süß. Die Miezen haben da schon wesentlich mehr Klasse, auch wenn alle drei nur einfache Hauskatzen sind. Insgesamt gesehen sind jedoch alle vier eine Bereicherung für unsere Familie und mein Seelenleben. Was würde ich nur ohne all diese Tierchen tun. Nie wieder will ich ohne sein.

Durch die Konzentration auf die Erziehung des Bärtigen komme ich einfach zu nichts mehr. Aber ich sehe erste Erfolge. Bing bleibt ohne Mucken auf seiner Decke liegen, wenn wir essen und er hat es heute eine Viertelstunde ohne mich bei geschlossener Tür im Wohnzimmer ausgehalten. Und ich habe über ein Kilo abgenommen! Vor lauter Rennerei mit Hundi. Wenn ich zarter gebaut wäre, hätte ich bald bestimmt echt sehenswerte Gazellenbeine. Aber es werden wohl eher stramme Wandererwaden. Wenn ich jetzt noch einen zünftigen Vorbau hätte, dann wäre das auch in Ordnung. Leider spielt die Natur da nicht mit. Wir hübschen also die neuen Formen mit der Bezeichnung „definiert und muskulös“ auf.

Jetzt muss ich nur noch meinen hoffentlich bald vorhandenen, künftigen Arbeitgeber davon überzeugen, dass ich unbedingt meinen Therapiehund mit auf die Arbeit bringen muss. Schließlich gibt es genügend Studien, die bestätigen, dass ein Hund im Büro nur positive Auswirkungen auf das Betriebsklima, die Konzentration, etc. hat. Also, falls jemand da draussen einen netten Bürojob für Bing und mich hat. Wir sind bereit!

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