Donnerstag, 14. Juni 2012
Kreativkopf (innen & außen)
Wie sich das für jüngere Geschwister gehört, machen sie den älteren (glücklicherweise nur fast) alles nach. Prachtexemplar Nr. 2 durfte ich vor kurzem seine Haare wieder kurz schneiden, weil Teenie-Ding sich auch von seiner Mähne getrennt hatte. Der Kleine hatte die Vorstellung, dass sich seine Haare wie beim großen Bruder auch locken, wenn sie länger werden. Dummerweise hat er die extrem dünnen Fusseln von seinem Vater geerbt, also keine Chance auf die kleinste Welle.

Im Nachhinein hat sich herausgestellt, dass ich eine Strähne im Stirnbereich vergessen habe. Daran wurde ich gestern erinnert, während wir im Supermarkt an der Kasse standen und uns unterhielten.

Bei näherer Betrachtung sah der komplette Ponybereich jedoch sehr gelungen aus, was mich zunächst etwas verwirrt hat. So übel hatte ich mein Kind doch gar nicht zugerichtet. Des Rätsels Lösung: Prachtexemplar Nr. 2 hat selbst Hand angelegt und "nachgebessert". Voller Stolz wollte er bestätigt haben, dass das so doch echt super aussehe. Ich hab mich köstlich amüsiert und damit die umstehenden Menschen in der Warteschlange etwas irritiert. Erstaunte Blicke haben wir geerntet. Wahrscheinlich wäre ein mütterlicher Wutanfall oder ähnliches für Außenstehende weniger befremdlich gewesen.

Ich jedoch wundere mich bei diesem Kind über solche Aktionen nicht mehr. Prachtexemplar Nr. 2 ist ein Ausbund an Kreativität. Erfinder ist sein derzeitiger Berufswunsch und ich finde die Idee gar nicht unrealistisch.

Mit den tollsten Basteleien wurde ich schon beglückt und belustigt. Hier die Top 3:
1. die selbstgebastelte Platzwunde
(ein Papierstrinband mit rotem Kritzelkratzel drauf - nach einer Unfallserie inkl. jeweiligem Besuch in der Krankenhausnotfallaufnahme)
2. der Pink-Lady-Kampfanzug
(aus Joghurt-Paletten, beklebt mit pinkfarbenem Tonpapier, zusammengehalten mit Wolle - wie er auf den Namen kam ist mir ein Rätsel)
3. die Katzenfüttermaschine, damit ich mich nicht mehr beim Befüllen der Katzenschälchen bücken muss
(ein Papiertrichter, verbunden über ein Rohr aus gerolltem Papier, das alles verstärkt mit Stock, in einem Karton, unter der Öffnung im Karton steht das Schälchen - leider passt nur unser Kater in den Karton hinein)

Heute Morgen hat das kleine Monster von selbst eingesehen, dass an dem Kreativ-Schnitt etwas geändert werden sollte. Er hat es nicht geschafft sie so in Form zu bringen, wie er es sich vorgestellt hat. Ich hab die Situation sofort genutzt und das als Argument zum Nachbessern angebracht. Also darf heute Abend ich noch einmal Hand anlegen und Schadensbegrenzung betreiben.

Was er sich wohl als nächstes einfallen lässt? Wie immer hoffe ich auf Kreativitätsschübe mit harmlosen, bestenfalls nützlichen Auswirkungen. Spannend bleibt es auf jeden Fall.

Eine Woche später:
Heute Morgen hab ich den Kerl schon wieder mit der Schere in der Hand im Bad erwischt. So langsam ist an der Front nichts mehr, was noch nachgearbeitet werden kann ...

...bereits 516 x geplingploppt


Montag, 11. Juni 2012
Regeneinsamkeit und Schneckenglück
Seit ich mich in der Tchibo-Resterampe zu Spottpreisen mit hässlichen Beijedemwetterrausgeh-Klamotten eingedeckt habe, mag ich Regenspaziergänge.

Erstens bleibe ich trocken, zweitens gehören unsere bevorzugten Rheinsteigabschnitte meistens ganz alleine uns und drittens treffen wir viele viele Häuschenschnecken. Große, dicke Weinbergschnecken und hübsche, kleine Salatschnecken in rot und gelb. Die mag ich alle.

Wir bleiben dann stehen und ich schaue den Schneckchen ein bißchen zu. Der Butz schnüffelt und wundert sich, wenn plötzlich die Fühleraugen verschwinden. Dann wandern wir weiter und genießen die schneckenglückliche Zweisamkeit in der Einsamkeit.

...bereits 496 x geplingploppt


Sonntag, 10. Juni 2012
Ich weiß, dass ich nichts weiß und Nichtwissen ist doof
Bing und ich machen derzeit eine Ausbildung zum Mensch-Hund-Therapie-Team. Gestern war ich auf einem weiteren Seminar.

Je mehr ich lerne, desto mehr stört es mich, wie wenig ich über Hunde weiß. Ich bin eine Unwissende. Eine unwissende Inputhabenwollerin. Unglaublich viele spannende und hilfreiche Dinge erfahre ich. Einerseits bin ich nach jedem Seminar voller Aha-Momente total beglückt darüber, andererseits macht mich das hilflos und unsicher.

Mein Hundi und ich hocken schließlich auch noch in einigen Baustellen, an denen ich arbeiten will. Der Knackpunkt bin natürlich ich. Nicht der Butz. Solange ich immer nur mit den Tierheim-Hunden zu tun hatte, war das für mich wesentlich einfacher, den fürsorglichen Anführer zu geben, der in jeder Situation den Überblick behält und souverän reagiert. Da hat so manches wesentlich besser funktioniert als mit meinem süßen Bärtigen.

Im Umgang mit Bing ist das echt schwierig, weil ich viel zu nah an dem Hund dran bin. Hysterische Hinterherkreisch-Situationen (meinerseits) hatten wir schon mehr als einmal. Außerdem neige ich dazu, dem Tierchen mehr Verantwortung aufzubürden als hundgerecht ist. Das zum Beispiel ist mir dieses Wochenende klar geworden. Eine der Hundetrainerkolleginnen hat mich darauf gebracht und dafür bin ich dieser Frau echt dankbar. Jetzt kann ich mich nämlich an die Eliminierung dieser Schwachstelle begeben.

Das erste Mal in meinem Leben mache ich eine Ausbildung aus einem inneren Bedürfnis, aus Überzeugung und lange gehegtem Wunsch. Nicht wie die erste, weil mir mein Papa dazu geraten hat oder die zweite, die ich – zwar auch aus Interesse und freiwillig – in erster Linie aus der Situation heraus abgeschlossen habe.

Jetzt habe ich den eisernen Willen, in meinem dritten Beruf mindestens genauso sicher und viel, viel besser zu werden, als in meinem zweiten. Und: typisch Hilde: auf der vierten Ausbildung brüte ich – obwohl das Ende der dritten noch in weiter Ferne liegt - auch schon. Yep. So mag ich das. Stillstand stört, Ziele beleben.

...bereits 504 x geplingploppt