Herzblut und Leberwurstküsse
Heute Nachmittag habe ich Herzensmann eine SMS geschrieben. Eine SMS weit entfernt von guter Rechtschreibung dafür aber voller Herzblut und Sehnsucht. Ich habe die zuletzt gewählte Nummer aus der Liste angeklickt und glücklicherweise rechtzeitig bemerkt, dass das nicht Herzensmanns Nummer war sondern die von Prachtexmplar Nr. 2's Papa.
Den Fehler habe ich schnellstens korrigiert, gleichzeitig ist mir aufgefallen, dass ich dem Mann, dem ich mein wunderbares Kind verdanke, niemals solche SMS geschickt habe. Wir sind überhaupt nie so miteinander umgegangen, wie Herzensmann und ich das tun. Ist das nicht schrecklich? Ich find das ganz furchtbar. Immerhin habe ich viele Jahre gekämpft und gehofft, dass wir beide doch noch zueinander finden.
Danach bin ich in die Badewanne gegangen, damit Herzensmann gleich eine köstlich frische Frau vorfindet. Ich habe meine in der Hoffnung auf möglichst unauffällige Ansätze „mittelblond“ gefärbten Haare mit einer Blond Glanz Kur, die brilliante Glanzreflexe verspricht und mit Glitzerpartikeln angereichert ist, gepimpt. Der Epilierer und der Hornhautstein kamen zum Einsatz. Frisch eingecremt und fein angezogen warte ich nun ungeduldig auf den Mann meines Herzens, meinen Seelenmenschen.
Bauchweh bereitet mir immer noch die Erkenntnis, dass ich äußerst selten mit solcher Freude auf die Vormänner gewartet habe. Diese hab ich zwar auch nicht dreckig und stinkend empfangen, das nicht, aber insgesamt gibt es doch erhebliche Unterschiede.
Aber was war denn vorher anders? Hab ich was falsch gemacht? Haben die Vormänner was falsch gemacht? Warum haben die anderen Männer all diese Wesenszüge von mir nicht aktiviert? Oder hab ich die Bremse gezogen? Wo war mein Bedürfnis liebevolle Dinge zu tun oder zu äußern?
Na gut, Ansätze in dieser Richtung gab es schon. Ich war sicher nicht durchgehend ekelhaft. Sonst wäre ja keiner bei mir gelandet, geschweige denn geblieben. Zeitweise war also wohl wenigstens etwas liebevolles Verhalten vorhanden. Vielleicht hat das bisschen, was ich gegeben hab, auch genügt? Ich weiß es nicht. Sicher dagegen weiß ich, dass alles, was ich Herzensmann gegenüber äußere, bei den wenigsten auch angekommen wäre. Teilweise hätte das Verständnis gefehlt, teilweise hätte der Humor nicht gestimmt.
In diesem Zusammenhang fallen mir zwei Komplimente ein, die ein gutes Beispiel abgeben:
1. Dich will ich auch küssen, wenn du ein Leberwurstbrot gegessen hast.
2. Wir wären auch als Neandertaler ein super Paar gewesen.
So. Bis auf vielleicht einen einzigen anderen Mann fällt mir keiner ein, der diese wirklich von Herzen kommenden Aussagen, die die Intensität meiner Gefühle verbildlichen, verstanden und zu würdigen gewusst hätte. Kaum einer hätte sich darüber so gefreut, wie Herzensmann. Das wiederum bewirkt bei mir, dass meine Phantasie ständig sprudelt. Und Herzensmann bekommt alles ab. Ungefiltert, unzensiert, ununterbrochen. Er wird überschüttet und bis jetzt habe ich jede Sekunde das Gefühl, dass er sich in dieser Lawine wohlig, häuslich niedergelassen hat.
Also, komme ich endlich dem Knackpunkt auf die Spur? Sicher hat es etwas mit Kommunikation zu tun. Mit Empfangen und Senden. Bestimmt auch mit Humor und Alltagstauglichkeit. Mit kompatibler Intelligenz? Vielleicht sollte ich aus meinen oben genannten Komplimenten eine Art Stresstest in Paarkrisen entwickeln. So lange die Freude über Leberwurstkusskomplimente größer ist als über Stumpfsinnkomplimente wie „Du hast schöne Augen“, „Du hast tolle Beine“, „Du bist lieb“, kann man noch was retten. So lange solche Komplimente als freudige Überraschung empfunden, geschätzt und erwidert werden, ist noch etwas Lebendiges da, das wieder ausgegraben und gepflegt werden kann. Eine neue Geschäftsidee ist geboren! Hildes genialer Leberwurstkuss- und Neandertalertest.
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Kinkerlitzchensfasten nach Art des Hauses
Vor zwei Tagen habe ich mich dazu entschlossen, zu fasten. Auf meine ganz spezielle Art und Weise. Ich mache Klamotten- und Kinkerlitzchensfasten. Das zwar auch aus meiner finanziellen Not heraus, eine spannende Herausforderung ist es gleichwohl.
Auf die Idee bin ich gekommen, nachdem mir mein Prachtexemplar Nr. 2 erzählt hat, dass sein Kumpel während der Fastenzeit auf Gemüse verzichtet. Sehr süße Idee von einem raffinierten kleinen Kerl, der meines Wissens kein Vegetarier ist. So kann man mit dieser von Kindern meist ungeliebten Tradition natürlich auch umgehen.
Für mich allerdings wird das echt hart. Wie gesagt, ich hab zwar ohnehin keine Kohle, aber das hab ich fast nie und trotzdem kann ich meist noch was abzwacken für ein reduziertes Teil. Wenn mir ein begehrenswertes Kinkerlitz oder Kleidungsstück begegnet, kommt zuerst mein hart antrainierter Geiz zum Zuge. Als nächstes redet mir eine Freundin gut zu. Dann male ich mir aus, was ich mir im Gegensatz zu anderen Mitmenschen versage, z. B. Nagelstudio, Sonnenbank, alle sechs Wochen zum teuren Friseur, rauchen, saufen, in der Spielhölle abhängen, (na gut, das sind keine großen Opfer für mich) … und schon finde ich noch irgendwo fünf Euro. Schwups hab ich mal wieder Beute gemacht und meiner empfindsamen Seele etwas Gutes getan.
Heute morgen hab ich drei ziemlich zerfetzte Strumpfhosen in meiner Schublade gefunden. Normalerweise hätte ich jetzt ohne weiter darüber nachzudenken, meinen ohnehin beachtlichen Strumpfhosenbestand aufgestockt. Mir kam sogar schon ein spezielles Schnäppchen in den Sinn, nämlich ein Zweierpack Strumpfhosen von Tchibo in blau und schwarz, 80 den, ganz weich, also perfekt für mich. Ich habe sogar schon Tage vor meinem Fetzenfund damit geliebäugelt. Ich werd sie mir verkneifen. Falls an dieser Stelle ein großzügiger Lesemensch das Bedürfnis verspüren sollte, ins nächste Tchibogeschäft zu laufen und mir die Strumpfhosen zu kaufen: Ich hab Größe S. Geschenke nehme ich gerne an und bedanke mich schon jetzt für die milde Gabe.
Zwei der löchrigen Strumpfhosen habe ich sofort entsorgt. Der Dritten gebe ich heute den Rest. Die Löcher sind alle im Fuß- und Fersenbereich. Mit Stiefeln geht das noch einmal.
Ich als großer Fan von excel-Tabellen werde aufzeichnen, wie viel – derzeit ohnehin nicht vorhandenes, also imaginäres - Geld ich dadurch „einspare“. An Ostern werde ich mich genüsslich in meinem Fastenerfolg suhlen und mir eine phantastische Belohnung gönnen. Allein die Vorstellung ist derart befriedigend, dass mir dieses Experiment immer besser gefällt.
Über die bevorstehenden Kämpfe mit meinem inneren Schweinemurmeli sowie das hoffentlich fabelhafte Ergebnis werde ich berichten.
Nachtrag:
Nach einer Woche summieren sich meine nicht ausgelebten Begehrlichkeiten auf 159,87 €. Morgen wird ein schwieriger Tag. Meine heißgeliebte Klatschitratsch-Frauenzeitung erscheint und ich darf sie nicht kaufen.
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Nächtliche Gedankenfragmente vom Zappelhirn
Nacht vom 24.02.2012 auf den 25.02.2012
Heute Nacht habe ich mal wieder ein zappeliges Gehirn. Mein zappeliges Gehirn hat so ausdauernd wilde Gedankenfragmente von sich gegeben, dass mein Körper irgendwann notgedrungen mitgezappelt hat.
Herzensmann ist da und ganz im Sinne der St. Valentin-Endlosschleife habe ich soeben das Bett geräumt. Jetzt ist es 2.50 Uhr und ich liege auf dem Sofa. Die Miezen erleben draußen katzige Abenteuer. Lediglich Mathilda leistet mir Gesellschaft, darum ist es etwas eng hier.
Hier ein Auszug der Gedankenfragmente:
Wechselwirkung zwischen hormonell bedingter Gewichtszunahme und Depressionen – congnacbraune Keilpumps (reduziert!) - Ist der rechte Arm von Herzensmann noch durchblutet? - Prachtexemplar Nr. 2 und ich hatten eine kleine Auseinandersetzung betreffend der Nicht-Durchführung von Haushaltsarbeiten. Kind ist beleidigt im Zimmer verschwunden. Als ich mich versöhnen wollte, lag Kind in voller Montur schlafend im Bett. Unversöhnt schlafen gehen finde ich ganz schlimm und fühle mich deswegen schlecht. - eine sehr süße Hündin namens Doro, die ich vermisse und gerne adoptieren würde – die Effektivität der Epilation von Achselhöhlen und Bikinizone – Wie funktionieren Abnehmtabletten? ….
An dieser Stelle komme ich nicht weiter, weil ich das Laptop nicht anschalten möchte. Darum mache ich jetzt das Licht aus und hoffe, dass mein Gehirn meinen Körper endlich schlafen lässt.
25.02.2012, Vormittag
Über die Frage, wie Abnehmtabletten eigentlich funktionieren und inwiefern sie schädlich sein können, bin ich gestolpert als ich am Donnerstag beim Arzt saß und mich durch diverse Frauenzeitschriften gearbeitet habe.
In einer war eine große Anzeige für Abnehmtabletten mit dem Blickfang „2=3kg“. Das kg steht unter dem =, was ich nicht formatieren kann. Jedenfalls hat mich diese Aussage irritiert und ich habe mir den Text durchgelesen. Wenn man zwei kg aus eigener Kraft abnimmt, dann bewirken diese Tabletten angeblich, dass man noch ein weiteres kg abnimmt. Sozusagen als Belohnung.
Ich weiß nicht, ob ich hier zu wenig Phantasie habe, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass der Körper als Dreingabe beim Schlucken dieser Tabletten denkt: Ach super. Ich bekomme leckere Tabletten, die machen, dass ich weniger Fett aus der Nahrung aufnehmen kann. Dann kann ich zu den 2 kg, die ich bereits aus meinen vorhandenen Fettreserven genommen habe, direkt noch eins verpulvern.
Die entsprechende Internetseite ist sehr schön aufgemacht, motivierend gestaltet und bietet ein komplettes Abnehmprogramm für Menschen, die sich davon angesprochen fühlen. Zu eventuellen Nebenwirkungen finde ich an dieser Stelle nichts, immerhin ist der Wirkstoff angegeben.
Also bin ich diesem Hinweis gefolgt und habe viele widersprüchliche Informationen gefunden. Von Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Durchfall, Schlaf- und Menstruationsstörungen wird berichtet. In einigen Foren habe ich Erfahrungsberichte von Menschen gelesen, die beispielsweise lediglich von 65 kg auf 60 kg abspecken wollten. Muss man dafür Tabletten nehmen? So ist doch der benannte Wirkstoff ursprünglich zur Behandlung wirklich fettleibiger Menschen bestimmt. Finde ich ziemlich bekloppt, aber den Herstellern sei es gegönnt. Niemand wird zum Kauf gezwungen.
Das genaue Gegenteil von „2=3“ ist „Kauf 3 Zahl 2“. Diese Konstellation erscheint mir wesentlich verheißungsvoller. Ich bin immer äußerst beglückt, wenn ich z. B. Kleidung zu Outletpreisen, die im besten Falle zusätzlich mehrfach reduziert wurden, nochmals abzüglich großzügiger Rabatte kaufen kann.
Ich liebe es, die Originalpreise zu addieren und mit dem tatsächlich gezahlten Betrag ins Verhältnis zu setzen. In solchen Situationen geraten meine eindeutig stark ausgeprägten urzeitlichen Instinkte mit dem neuzeitlichen Gewissen den Menschen, die diese Klamotten hergestellt haben, gegenüber in Konflikt. Und schon habe ich meine nächsten Forschungsgebiete:
1. Urzeitliche Instinkte
2. Gewissen
3. Produktionsstätten meiner bevorzugten Jagdgebiete
Ich werde recherchieren und die Ergebnisse demnächst hier präsentieren.
veilchenpastille am 25. Februar 12
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