Zur Einstimmung auf das heutige Thema diesen Hit:
http://www.youtube.com/watch?v=ZKQaXK9k6xA&feature=related
Naja, ist ein bißchen an den Haaren herbeigezogen, aber mir war gerade danach. Ich war nämlich etwas verzweifelt und diese Verzweiflung hat mich zu drastischen Maßnahmen greifen lassen.
Seit ich den Hund habe, ist meine Hemmschwelle bezüglich meiner Optik in der Öffentlichkeit immer weiter gesunken. Damit lebe ich mittlerweile ganz gut und irgendwie ist es auch befreiend. Sollte jeder mal probieren. Vielleicht kann ich hiermit eine neue Therapiebewegung ins Leben rufen...
So, nun zu meinem eigentlichen absolut weltbewegenden Thema: Ich hab einen komischen Kopf. Mir passen keine Mützen. Die Modelle, die für meine Allwetter-Außenaktivitäten zweckerfüllend wären, sind entweder zu groß oder viel zu teuer, meistens beides.
Also hatte ich nach langer, erfolgloser Suche die Idee, in unserem Kinderkatalog, den ich immer noch bekomme, obwohl die Jungs aus den dort angebotenen Größen schon längst rausgewachsen sind, zu stöbern. Hier gab es genau das, was ich brauche: wind- und wetterfeste Mützen in kleinen Größen. Perfekt, wenn sie nicht so nach Kindermützen aussehen würden.
Aber wie gesagt: die Hemmschwelle tendiert langsam gen Null und nun bin ich glückliche Besitzerin von zwei Mützen, die eindeutig nicht für Erwachsene gedacht sind und entsprechend bekloppt auf meinem Schrumpfschädel aussehen. Dafür werde ich diesen Winter keine Mittelohrentzündung bekommen. Dazu neige ich nämlich, obwohl das eher eine Kleinkindkrankheit ist. Kleinkinderinnenohren benötigen Kleinkindermützen - so gesehen ist das absolut logisch, auch wenn sich diese Ohren am komischen Kopf einer Frau über 40 befinden.
Vielleicht lasse ich mich irgendwann in voller Hundeausgehmontur fotografieren und stelle das Bild hier ein, damit alle sich über diese Irre aus Camp Hilde amüsieren können: Hilde, die Meisterin des fragwürdigen, aber absolut zweckmäßigen Geschmacks.
Morgendliche Szene in Camp Hilde.
Die Brut zieht sich an und packt die Schulsachen zusammen.
Prachtexemplar Nr. 2 ist der Meinung, dass er weniger Kekse in seiner Brotdose hat als Teenie-Ding und meutert. Die Frau über 40 greift sofort aufgrund noch nicht vollständig erfolgter Koffeinzufuhr genervt ein und deckelt den Zwerg.
Teenie-Ding veräppelt Mutti und seinen Bruder mit seinen super Kommentaren. Mutti "droht" Teenie-Ding mit über's Knie legen und Popo-Versohlen und bekommt dann die frustrierende Wahrheit von Prachtexemplar Nr. 2 um die Ohren gehauen:
Vor dir hat doch sowieso niemand Angst in diesem Haushalt.
Ach so... Nachdem wir dann geklärt haben, dass "Angst vor Mami haben" sowieso nicht mein Erziehungsziel war sondern "Respekt vor Mami haben - und umgekehrt", direkt die nächste frustrierende Wahrheit:
Du bist ja auch nur eine kleine, alte Frau.
Das hört man doch gerne. Morgens, müde, zerknautscht, noch nicht richtig im Tag. Aber süß sind die beiden ja doch. Außerdem weiß ich ja, wie es gemeint ist.
Dieses Stilleben hat mein Hund vor einigen Tagen arrangiert. Ich bin mir nicht sicher, ob er einfach nur aufräumen oder mir damit zeigen wollte, wie Aufräumen funktioniert. Vielleicht kommt hier auch eine spektakuläre künstlerische Ader zum Vorschein. Oder er wollte sich selbst einen Überblick über seine Habseligkeiten verschaffen?
Wenn Frau über 40 am Rädchen dreht (gestern angeschickert ins Bett, kaum geschlafen, Schmerzen in Schulter, Arm, Hüfte und Herz), dann wird das Grübeln über solche (vermeintlichen) Rätsel überlebenswichtig ... Immerhin lenkt es etwas ab.
Auch eine willkommene Ablenkung ist das Sortieren meiner privaten Wunschliste bei Amazon. Ist das eigenartig? Keine Ahnung, aber egal. Ich habe immer so viele kleine (und ein paar größere) Wünsche, die ich mir derzeit einfach nicht leisten kann.
Dann gehe ich in "Hildes Wünsche an das Universum" und fühle mich als würde ich eine kleine Schatzkammer betreten. Ich freue mich dann über das schöne Gefühl, dass ich diese Dinge hier ansammeln kann und sie mir irgendwann vielleicht gönnen werde. Manchmal schmeiße ich auch etwas raus. Leer ist sie nie.
Die Tatsache, dass Amazon damit einen feinen Einblick in mein wild gemixtes Wunschleben erhält, stört mich nicht. Ich freue mich lieber über das erhabene Königinnengefühl beim Betrachten meines imaginären Reichtums.
Gleichzeitig bin ich mir natürlich über meinen wahren Reichtum absolut im Klaren: zwei gesunde und gut geratene Jungs, die ich über alles liebe, drei schnucklige Katzen, einen dicken Knutschhund, die beste Schwester der Welt, eine Handvoll toller Freundinnen und meine süße kleine Schrottiwohnung. So viel hat nicht jede Alleinerziehende. Also, gibt's was zu meckern? Hab ich eben was von Herzschmerz erwähnt??? Noch ein bißchen, dann wird alles wieder gut ...