ist ein Wort, das ich versuche mir abzugewöhnen, aber manchmal darf es doch wirken.
Eigentlich war ich heute auf der Suche nach einem Wort für Menschen, die durch und durch boshaft sind. Alles mögliche habe ich gefunden - von Misanthropie über Soziopathie bis zu Zitatsammlungen über böse Weiber und Geschichten aus dem Morgenland. Nichts davon war wirklich passend.
Zum Glück habe ich mich ablenken lassen von einer tollen Entdeckung: gelbes Wassereis friert schneller ein als alle anderen Farben.
Na?
NA???
Ist das nicht eine bahnbrechende Feststellung?
Wassereis ist außerdem ein viel schöneres Thema als das Böse in Form von Nachbarn, die mit dem Luftgewehr auf Katzen schießen oder sie überfahren und auf der Straße liegen lassen und zuschauen, wie sie in ihrer Blutpfütze herumkriechen, die Hunde vergiften, die sich über das Husten von asthmakranken Kindern beschweren, die lauschend im dunklen rumhängen, im Müll wühlen, zum Ordnungsamt laufen, weil das Auto der Nachbarin gegen die Fahrtrichtung parkt (und niemanden behindert) oder ich nachts meinen Welpen nicht anleine, wenn er - weil noch nicht stubenrein - schnell raus muss.
Wassereis ist eine feine Sache. Nicht gesund, aber auch nicht das ungesundeste auf der Welt. Lecker, kalt, süß und bunt.
Es ist ein Dino aus meiner Kindheit. Noch heute reiße ich die Plastikhülle mit den Zähnen auf, beiße kleine Stücke ab und sauge zum Schluss die bis dahin geschmolzene Pfütze raus - das ist immer das Highlight. Dann bin ich wieder vier oder fünf oder sechs und alles andere ist unwichtig. Ich bin wieder ein kleines Mädchen, das sich über sowas einfaches, wie ein Wassereis freuen und mit dem Genuss die Welt um sich herum vergessen kann.
Auch das Böse in Form von Nachbarn.
Ach ja, es gibt wieder Dolomiti. Das war früher mein Lieblingseis Nr. 1 und hat dieselbe Wirkung.
Das Leben ist schön. Ganz uneigentlich.
Eben habe ich mir eine leckere Buttermilch aus dem Kühlschrank geholt und wollte darüber schreiben, dass der Genuss mancher Lebensmittel erst mit dem passenden Geschirr oder Besteck perfekt wird.
Also Buttermilch schmeckt am besten aus einer lila Tasse mit weißen Punkten. Joghurt geht nur mit den langstieligen Plastiklöffeln aus der Baby-Abteilung vom dm-Markt, Schokoküsse dagegen mit einem scharfkantigen Kaffeelöffel.
Parallel dazu habe ich mir die neuesten Meldungen auf facebook angeschaut. Süße Wolfhound-Fotos, lustige Urlaubsmeldungen, Schwangerschafts-Neuigkeiten und diese kleine
Geschichte.
So harmlos fing das an, dass ich ganz arglos bis zur Auflösung weitergeschaut habe.
Und jetzt sitze ich hier. Bin am heulen und kann nicht mehr aufhören und mag meine Buttermilch nicht mehr trinken. Da hilft auch keine lila Tasse mit weißen Punkten.
Meine liebe Freundin S. hat guten Kontakt zum Universum. So nenne ich das jetzt mal, sie hat natürlich den korrekten Fachbegriff dafür, aber der fällt mir gerade nicht ein.
Jedenfalls gibt sie Wünsche an das Universum ab und wenn die Zeit gekommen ist, dann kommt die Antwort. Oft habe ich ihr mein Leid geklagt wegen Jobs, Männern, dem Leben allgemein, den Kindern oder sonstwas. Meistens liefen unsere Unterhaltungen darauf hinaus, dass sie mir positive Energien (auch hier nicht der korrekte Begriff) geschickt hat oder mir gesagt hat, dass ich es abgeben soll.
Jetzt kann man natürlich davon halten, was man will. Ich gehe davon aus, dass die meisten Menschen so etwas für Humbug halten. Ich denke mir einfach, dass es nicht schaden kann und wenn es am Ende so kommt, wie gewünscht, ist es egal, wie man dazu gekommen ist. Ob durchs Universum, irgendeinem Gott, dem Schutzengel, Schicksal oder Zufall. Die Wunscherfüllung zählt.
Nachdem ich mir vor über einem Jahr klar gemacht habe, was ich denn nun für einen
Mann will, das alles mit Hilfe der genialen S. ins Universum geschickt und dann noch auf die Menschenkenntnis (Verkupplungskünste will ich es jetzt nicht nennen) meiner äußerst patenten Freundin T. vertraut habe, war relativ flott die Antwort da: Kein Immermalwiederunddanndochnichtmann, kein
Herzensmann, einfach nur ein Allesklar-keineweiterenFragen-Mann.
Wobei ich auch die anderen alle nicht missen will, jeder wird zu seiner Zeit seinen Daseinssinn in meinem Leben gehabt haben.
Und jetzt schreiben wir tatsächlich zusammen die Doktorarbeit, 1. Kapitel "Wir suchen ein gemeinsames Zuhause". Das ist doch eine feine Sache.
Auch lustig: Meine "Raucherfrage" ist beantwortet. Der Mann raucht und es ist für mich nebensächlich bzw. kein Dauerthema. Und wir haben einen Deal: 1. Er bekommt zum Ausgleich Lakritzgeschmackküsse - 2. Wenn wir ein Haus gefunden haben, hört er auf zu Rauchen. Was nicht gleichbedeutend ist mit: Frau hört auf Lakritz zu essen.
Na gut. Von den Lakritzküssen werde ich ihn verschonen. Aber nur, wenn es sich vermeiden lässt. Also er nicht in der Nähe ist. Weil. Wenn er in der Nähe ist, dann muss ich ihn knutschen. Das ist einfach unvermeidbar. Eine Handlung aus dem Affekt. Mir brennen dann einfach die Sicherungen durch. Ist er doch selber schuld, wenn er so schnucklig ist. Menno.